No Man's Land
Artworks
Lone Haugaard Madsen
Raum #358 - Demo - 6, 2019
Öl auf Leinwand
170 x 130 cm
Raum #358 - Demo - 12 (Claw), 2019
Öl auf Leinwand
180 x 120 cm
Liza Lacroix
or even the person's unwillingness to reciprocate, but rather actual space., 2024
Öl auf Leinwand
183,5 x 154 cm
Eliza Douglas
Untitled (ED/M 14/00), 2023
Öl auf Leinwand
220 x 170 cm
Untitled (ED/M 15/00), 2023
Öl auf Leinwand
220 x 170 cm
Information
Das Sichtbare und das Unsichtbare
„Die Beziehung zwischen dem, was wir sehen, und dem, was wir wissen, ist niemals endgültig.“ — John Berger, Ways of Seeing, 1972
Oft genügt ein kurzer Blick, um ein Bild scheinbar zu erfassen. Wir erkennen eine Figur, lesen ein Wort, ordnen eine Form einem Gegenstand zu. Doch dieses Erkennen ist weniger selbstverständlich, als es scheint, denn Bilder können Orientierung geben und sie beim zweiten Blick wieder entziehen. Denn was wir sehen, ist gleichermaßen von unserer Umwelt und unserem Weltverständnis geprägt. Die Ausstellung „No Man’s Land” versammelt acht Künstlerinnen, die dieses Verhältnis zwischen Sehen und Erkennen in Bewegung bringen. Dabei erweist sich die Grenze zwischen figurativer und abstrakter Malerei als durchlässig.
In „Untitled (Eve)” von Grace Weaver ist eine Frau zu sehen, deren Haltung an die vertraute Konstellation einer Mutter mit einem Baby im Arm erinnert, obwohl kein Kind abgebildet ist. Erst durch den Titel „Eve” und die eigene Bildkenntnis ergänzt der Blick, was die Darstellung nicht zeigt. Das Gemälde macht damit sichtbar, wie eng Wahrnehmung und Vorstellung miteinander verbunden sind. Auch Eliza Douglas’ Arbeit „Untitled (ED/M 14/00)” beginnt mit etwas unmittelbar Lesbarem: „BANG“. Zugleich ruft der Schriftzug eine Reihe vermeintlicher Lesarten auf – von Popästhetik bis hin zur hyperrealistischen Malerei. Das Wort wird zum Bild, das Bild wiederum zur Oberfläche einer Sprache, die von Werbung, Mode und digitaler Kommunikation geprägt ist. Was wir erkennen, ist hier untrennbar mit den Bildern verbunden, durch die wir gelernt haben zu erkennen. Johann Dumets Malerei „Chez Gigi” führt zurück in die Geschichte der Malerei. Die intensive Farbigkeit und die Anordnung der Motive lassen an die Malerei von Stillleben denken, während der abgebildete Stuhl auf die avantgardistische Kunstbewegung De Stijl verweist und die Arbeit Historisches und Zeitgenössisches vereint. Bei Sophie von Hellermann entsteht aus wenigen, scheinbar beiläufigen Motiven eine Szene, die sich einer eindeutigen Erzählung entzieht. In „See you later” begegnen uns eine Figur mit Hut, ein Regenschirm und ein kleines Krokodil – Details, die wie Fragmente einer Geschichte erscheinen, ohne deren Zusammenhang preiszugeben.
Die abstrakten Arbeiten der Ausstellung kehren dieses Verhältnis um. Wo die figurativen Bilder zunächst etwas zu erkennen geben und sich dann einer eindeutigen Lesart entziehen, beginnen die abstrakten Arbeiten bereits jenseits einer solchen Gewissheit. Und doch sucht der Blick auch hier nach Bekanntem. In Paula Baaders dichtem Gefüge aus Farben und Formen lässt sich in dem Bild „City Jungle” eine Stadt erahnen, ohne dass sie sich auf einen konkreten Ort festlegen ließe. Liza Lacroix’ Kompositionen scheinen einen Moment körperlicher Handlung festzuhalten, vielleicht einen Streit oder eine Partyszene. In Lone Haugaard Madsens „Raum #358 – Demo – 12 (Claw)” erinnert eine abstrakte Form für einen Augenblick an eine Fledermaus, bevor sie sich in reine Farbe und Kontrast auflöst. Jackie Saccoccios „Migraine” Arbeit lässt Farbflächen ineinandergreifen und voneinander absetzen; zwischen Kontrolle und Zufall entsteht eine Spannung aus Formen. So begegnen sich in “No Man’s Land” Figuration und Abstraktion weniger als Gegensätze, denn als unterschiedliche Wege, unsere Blicke und Wahrnehmung herauszufordern.
Text: Theresa Weise