Michael Krebber
Artworks
Information
Michael Krebber zählt seit den 1980er-Jahren zu den eigenwilligsten Positionen innerhalb der Malerei. Sein Werk entfaltet sich im Spannungsfeld zwischen der vielfach proklamierten Erschöpfung des Mediums und seiner gleichzeitigen Behauptung. Ausgebildet bei Markus Lüpertz und geprägt durch seine Tätigkeit als Assistent von Georg Baselitz und Martin Kippenberger, entwickelte Krebber früh eine konzeptuell fundierte Praxis, die ihn zu einer prägenden Figur der Kölner Kunstszene der 1980er- und 1990er-Jahre machte. In engem Dialog mit Künstler:innen wie Cosima von Bonin, Jutta Koether und Josef Strau knüpft er an Strategien der europäischen Neo-Avantgarden an und unterzieht die Bedingungen von Produktion, Präsentation und Rezeption von Kunst einer subtilen, fortlaufenden Kritik.
Krebbers Ansatz zur Malerei ist dabei von einer eigentümlichen Zurückhaltung geprägt. Häufig mit der Figur des Dandys bei Charles Baudelaire oder Bartleby aus der Erzählung von Herman Melville verglichen, operiert seine Praxis zwischen Geste und Verweigerung. Die Leinwand erscheint bei ihm als Ort eines tastenden, mitunter beinahe zögerlichen Handelns, in dem wenige Setzungen – Linien, Flecken, ornamentale Fragmente – eine überraschende ästhetische Dichte entfalten. Diese Ökonomie der Mittel ist jedoch keineswegs als Reduktion im klassischen Sinne zu verstehen, sondern vielmehr als Reflexion auf die Bedingungen künstlerischer Entscheidung selbst.
Krebbers Werk umfasst eine Vielzahl von Formaten, die den Begriff der Malerei bewusst erweitern: Neben klassischen Leinwänden integriert er textile Bildträger, Poster oder serielle Anordnungen, die zwischen Bild und Display oszillieren. In den hier gezeigten Arbeiten – von frühen Werken aus den späten 1990er-Jahren bis hin zu jüngeren Positionen – wird diese Offenheit besonders deutlich. So treten etwa in den Arbeiten von 1999 strukturierte Stoffe als Bildgrund in Erscheinung, während spätere Werke durch eine gesteigerte Präzision und zugleich fragil wirkende Setzungen gekennzeichnet sind.
Die zweiteilige Arbeit Ohne Titel (Wirklichkeit erschlägt Kunst) 18 (2019) verdichtet exemplarisch Krebbers Interesse an der Dialektik von Bild und Wirklichkeit: Der Titel evoziert eine Spannung, die sich nicht illustrativ, sondern in der materiellen und gestischen Organisation der Malerei selbst entfaltet. Ähnlich verweigern sich auch die anderen ausgestellten Werke einer eindeutigen Lesbarkeit und insistieren stattdessen auf einem Zustand zwischen Wiederholung und Unterbrechung, zwischen Idee und deren Aussetzung.
Trotz – oder gerade wegen – dieser Haltung entfaltet Krebbers Malerei eine unerwartete affektive Dimension. Hinter der oft als ironisch oder distanziert wahrgenommenen Oberfläche zeigt sich eine präzise Sensibilität für Material, Rhythmus und Bildraum. Seine Arbeiten bezeugen eine anhaltende Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten der Malerei, die sich weder in ihrer Dekonstruktion erschöpft noch in einer einfachen Fortschreibung aufgeht.
Als langjähriger Professor an der Städelschule hat Krebber zudem Generationen von Künstler:innen geprägt. Sein Werk, das in bedeutenden internationalen Sammlungen vertreten ist und in zahlreichen institutionellen Einzelausstellungen gewürdigt wurde, bleibt ein zentraler Bezugspunkt für eine Malerei, die ihre eigenen Voraussetzungen stets mitdenkt – und gerade darin ihre anhaltende Relevanz behauptet.